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18.05.2012 22:51

Wer führen, wer Erfolg haben will... Neujahrsansprache des Kreisvorsitzenden

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Freitag, den 15. Januar 2010 um 01:00 Uhr

Neujahrsansprache des Vorsitzenden des CDU – Kreisverbandes Meißen
Geert Mackenroth MdL vom 14. Januar 2010 in der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen aus
der Politik, Herr Landrat, liebe Freunde, liebe Gäste!



Ich begrüße Sie herzlich zum Neujahrsempfang des CDU –Kreisverbandes Meißen.

Wir wollen heute Abend das abgelaufene Jahr Revue passieren lassen, das
aufregend war besonders für Unternehmer, aber auch in der Politik viel Neues
gebracht hat: Wer kannte schon vor einem Jahr die Begriffe
Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ und „KP II“? Wir wollen auch einen Ausblick
wagen auf 2010 – es sieht finanziell nicht sonderlich rosig aus, für den
Freistaat nicht und auch nicht für unsere kommunale Familie. Ich sage zudem
Danke für die gute Zusammenarbeit, Ihre Unterstützung und Ihr Vertrauen.
Jedem Einzelnen von Ihnen gelten meine guten Wünsche. Ich wünsche mir zudem,
dass wir uns vertragen, im Kreisverband weiter zusammenwachsen, gut
kooperieren, und anonyme Briefe ersetzen durch offene Gespräche.

Dass wir uns vertragen, ist wichtig - das reicht aber nicht. Wir haben den
Willen zu politischer Gestaltung in schwierigen Zeiten, wir müssen die
Bürger davon überzeugen: Wir, die CDU auch im Kreis Meißen, wir haben die
besseren Konzepte. Denn der Wahlkampf 2013 hat längst begonnen.

Wie überzeugen wir? Fangen wir mit den guten Vorsätzen bei uns an – ich habe
einen Vorschlag, vier kleine Neujahrswünsche an uns selbst, eine Art
Eigenverpflichtung für 2010 und darüber hinaus:

1. Guter Vorsatz: Mehr Wissen, weniger Betroffenheit.
Unsere Welt ist kompliziert. Sie braucht handfeste Kenntnisse, nicht
Halbwissen; mehr Substanz statt vorschnelle Wertungen; mehr Inhalte statt
Symbolhandlungen, professionelle Kompetenz. Das ist mühsam, erfordert Fleiß,
Ausdauer, Anstrengung. Leichter ist es, Betroffenheiten auszudrücken, empört
zu sein, etwas ungerecht zu finden, folgenloses Mitleid zu haben, in der
einen Sachfrage heute so und in der anderen anders zu argumentieren, je nach
Betroffenheit und Zeitgeist-Aktualität. Gutmenschen und Populisten machen
uns das täglich vor. Das ist unsere Sache nicht, verpflichten wir uns zu
wissen, worüber wir reden.

2. Guter Vorsatz: Führung statt Anpassung und Treiben lassen
Jede Demokratie braucht Führung, ökonomische, politische und – wenn Sie so
wollen – auch geistige Führung. Führung setzt Verantwortung voraus und
schafft wiederum Verantwortung. Führung zu zeigen, Verantwortung zu
übernehmen oder anzustreben, ist aber ist weit schwieriger als Anpassung.
Führung führt nicht selten zum Anecken, zum Anstößigen durch Anstöße, zum
Auffallen, zu Kritik, zu Neid und manchmal auch zu Einsamkeit. Anpassung ist
leichter. Sie ist anonym, bequem und man nimmt doch teil am allgemeinen
Geschehen. Am Fernsehen Bundestrainer der Fußballnationalmannschaft zu sein
ist leichter als auf der Bank am Fußballfeld. Wir haben zu viele Beobachter
und zu wenig Akteure.

Wer agiert, steht im Rampenlicht und wird zumal in unserer
Mediengesellschaft sehr schnell kritisiert. Verantwortung zu tragen bedeutet
Vorbild zu sein, glücklicherweise nicht als Mensch insgesamt, sondern
zunächst im konkreten Betätigungsfeld, Verantwortung zu tragen beinhaltet
die Verpflichtung zum Handeln, fordert und fördert die Kultur des
Hinschauens.

Wir brauchen Führung, und die CDU will führen, in schwierigen Zeiten mehr
denn je. Und dazu müssen wir uns immer wieder klar werden klar werden über
unser Fundament: Wir machen in der CDU eben keine materialistische, sondern
wertgebundene Politik, unser Markenkern – der Begriff gefällt mir besser als
das in letzter Zeit etwas überstrapazierte CDU-Profil – unser Markenkern ist
die konservative, liberale, christlich-soziale, der Heimat verpflichtete
Grundüberzeugung, die auf die Freiheit jedes Individuums setzt, selbst auf
das Risiko des Scheiterns hin.

Der Heimat verpflichtet: Was prägt, was trägt unsere Region? Meißen, die
Wiege Sachsens, mit seiner gerade im kommenden Jahr engsten Bindung an das
Porzellan, Großenhain mit seinen kulturellen Lichtern, dem Schloß, der
Elblandphilharmonie, Riesa, die größte Stadt im Kreis, die den Wandel von
der die Umwelt zerstörenden sozialistischen Stahlküche hin zum vielseitigen,
liebenswerten Mittelzentrum in bewundernswerter Weise geschafft hat - im
Ruhrgebiet wird man dafür Kulturhauptstadt Europas! Riesa ist jedenfalls im
Kreisgebiet in diesem Sinne unsere Kulturhauptstadt. Coswig, die junge Stadt
am Rande Dresdens, Radebeul, eine Stadt schlicht zum Genießen, die Bierstadt
Radeberg, die anderen 34 Städte und Gemeinden auf der Höhe und im Elbtal von
Gröditz bis Nossen, die Landschaft, die Elbe, der Wein, ich muss hier
abbrechen, weil die Zeit nicht reicht. All dies ist auch unser Markenkern,
den wir mit ehrlicher Politik zukunftsfähig erhalten wollen. Dafür wollen
wir auch 2010 arbeiten, hier im schönsten Landkreis des Freistaates - wenn
man nicht hier geboren ist, darf man so etwas sagen, ohne rot zu werden.

Führung statt Anpassung und Treiben lassen war der zweite Vorsatz: „Wer
führen, wer Erfolg haben will, darf keinen Zweifel an seinen Grundsätzen
zulassen.“ (Steffen Flath)
Verpflichten wir uns wieder auf unseren Markenkern.

3. Guter Vorsatz: Gerechtigkeit neu definieren.
Gerechtigkeit ist bereits heute der zentrale politische Kampfbegriff, dies
wird in den nächsten Jahren zunehmen. Wer den Begriff besetzt, gewinnt.
Maßstab für Gerechtigkeit bei unseren aktuellen Verteilungsdebatten sind
immer diejenigen, die am Verteilungsprozess hier und heute teilnehmen und
beteiligt sind. Betroffen sind immer diejenigen, die unmittelbar und jetzt
betroffen sind. Die Verbände vertreten ihre Mitglieder und deren Interessen
von heute.

Unser Problem ist zwar auch, einen gerechten Maßstab zu finden für die
Verteilung der Güter von heute unter den heute Lebenden. Aber das vielleicht
schwierigere Problem liegt anders: Wir haben eine Pflicht zur Gerechtigkeit
gegenüber denen, die erst noch leben werden. Ich nenne nur die allgemein
bekannten Stichworte: Bewahrung der Schöpfung, Schuldenlast für die nächste
Generation oder den Umgang mit den Herausforderungen durch die
Bevölkerungsentwicklung. Das Bewusstsein für diese Art von Gerechtigkeit
müssen wir stärken.

Und was den Maßstab für die Verteilung unter den Lebenden angeht: Mit dem
Begriff Gerechtigkeit kommen wir da nicht immer weiter. Wenn zwei Parteien
vor Gericht streiten, glauben beide, die Gerechtigkeit gepachtet zu haben.
Das Ungerechte an der Gerechtigkeit“. Nein, zur Gerechtigkeit gehört in
erster Linie auch Wahrheit: Wir müssen z. B. zugeben, dass bei den sogen.
Harzt IV – Gesetzen nun wirklich nicht alles gut gelaufen ist, dass wir
nachbessern müssen bei den Bedarfssätzen für Kinder und den
Hinzuverdienstmöglichkeiten. Andererseits habe ich keine Scheu vor der
klaren Bekämpfung von Missbrauch und vor dem Satz „Leistung muss sich
lohnen“. Wer lange eingezahlt hat in die Rentenkassen, muss mehr
herausbekommen als derjenige, der nur wenige Jahre eingezahlt hat.
Gleichmacherei ist unsere Sache nicht.
Verpflichten wir uns auf eine Gerechtigkeit, die auf Wahrheit gegründet ist.

4. und letzter guter Vorsatz: Mehr Zuversicht, weniger Ängstlichkeit.
Nach dem Weltkrieg, in der friedlichen Revolution, in der Flut vom August
2002 wuchs Zuversicht. Es entwickelte sich die feste Gewissheit: Die
konkrete Gefahr will und wird überwunden werden. Abstrakte, schleichende,
diffuse Befindlichkeiten und Problemlagen lähmen dagegen offenbar. Sie lösen
Ängstlichkeit aus. Deswegen halte ich es für richtig, bei all den Problemen,
die wir haben, die Gefahr konkret zu benennen. Allerdings gehören dann dazu
auch konkrete Lösungsvorschläge (und damit schließt sich der Kreis zur
Kompetenz, zum Wissen). Allgemeine Sorgen an die Wand zu malen löst keine
Aktivitäten aus. Zuversicht entsteht durch Zupacken, durch die beherzte Tat.
Und wer an Gott glaubt, bekommt Zuversicht auch über die Botschaft von Jesus
Christus.

Meine Damen und Herren! Diese vier Vorsätze können uns gut durch das neue
Jahr bringen: Substanz, Führung, ein Verständnis von nachhaltiger
Gerechtigkeit und Zuversicht, all das entscheidet vielleicht viel mehr als
das nächste Konjunkturpaket darüber, ob unsere Gesellschaft zukunftsfähig
ist oder auch nicht.

Ich wünsche unserem Land, unserer Region in diesem Sinne ein erfolgreiches,
gutes Jahr 2010.

Zitat

Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein.

Joseph von Eichendorff (1788-1857), deutscher Lyriker und Erzähler der Romantik

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